Die letzte Woche auf Centennial Glen Stables

Die letzte Woche ist fast zu Ende und morgen werden wir wieder abreisen. Ich blicke dem Tag mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Einerseits freue ich mich schon darauf, weiterzureisen, aber auf der anderen Seite werde ich hier auch die ganzen Tiere vermissen – nicht alle gleichstark. Manche mehr und manche eher weniger.Nun, in der letzten Woche haben wir noch mal vieles erlebt. Generell gab es in den letzten Wochen nicht sehr viele Rides. Viele wurden kurzfristig abgesagt oder tauchten einfach gar nicht auf.

Aber gut, ich werde beim Wochenende anfangen. Das Wochenende war ziemlich warm, die heißesten Tage hier in den Stables. Am Samstag durften Valerie und ich zum ersten mal einen Ride alleine führen. Eine Stunde sollten wir mit einem Jungen (gut, ein junger Mann – er war so Anfang zwanzig würde ich schätzen). Ich durfte Russell reiten – den mag ich sehr gerne – und sollte den Jungen führen. Valerie ging hinter uns. Es klappte ganz gut, auch wenn ich Russell am Anfang etwas antreiben musste und wir uns manchmal bei den Abzweigungen unsicher waren. Während unseres Ausrittes haben wir sogar einen Echidna (Ameisenigel) gesehen. Leider hatte er sich aber zur Hälfte vergraben, sodass wir ihn nicht ganz sehen konnten.

Am Sonntag dann kam spontan eine Gruppe von 15 Asiaten (aus Singapur). Vier wollten Sulki fahren und so mussten wir noch schnell Regy und Luke dafür fertig machen. Da die Frauen nicht fahren wollten, sollten Valerie und ich jeweils eine der Sulkis fahren. Dieser Ride war etwas anstrengend aber dennoch lustig. Insgesamt waren mindestens 20 Pferde mit dabei.

Der Montag verlief etwas chaotisch. Zwei von vier Rides tauchten nicht auf, sodass Valerie kein mal geritten ist und ich gleich zweimal zwei Stunden. Für mich war es gut, wobei ich beim zweiten Ritt sehr müde war und die Kunden recht eigenartig waren.

Ein abenteuerlicher Ausritt

Am Dienstag dann sind wir mit Jim und zwei Mädels (Tala und Izy) ausgeritten. Das waren fast drei Stunden Abenteuer und Gefahr pur. Zuerst ging es einen sehr schönen Weg entlang. Wir gingen über Wiesen, Steine, es ging auf und ab, durch den Wald, durch ein kleines Bächlein (oder war es eine Art kleiner Teich? Ich kann mich nicht mehr erinnern! 😀 Auf jeden Fall gingen wir ein sehr kurzes Stück durch Wasser) und über einen großen Baumstamm der den Weg versperrte. Valerie machte auch sogleich ihre erste ungewollte Springerfahrung mit ihrem Pferd Ollie. Mein Pferd Cody wollte die ganze Zeit traben und schneller gehen und ließ sich kaum zurückhalten. Wenig später kamen wir in einem Waldstück aus. Jim drehte sich mehrmals um und deutete uns durch ein „Shh“ und den Zeigefinger auf dem Mund, dass wir uns leise verhalten sollen. Irgendwann stieg er ab und zielte den Zaun an, der das Waldstück umgab. Dann suchte er eine passende Stelle und drückte den Zaun (aus Draht) herunter, sodass wir mit unseren Pferden drüber gehen konnten. Nach einer kurzen Weile kamen wir wieder an einen Zaun (drei, vier oder fünf Drähte parallel übereinander). Auch hier suchte Jim eine passende Stelle, wo wir drüber reiten konnten. Das erwies sich allerdings als viel komplizierter als bei dem davor. Ihr müsst euch das so vorstellen, dass da auf dem Boden vier Drahtschnüre in einem Abstand von ca. 10-20 cm hintereinander auf dem Boden liegen und man da mit dem Pferd drüber gehen muss. Cody blieb dabei irgendwie hängen (genau wie Izys Pferd, welches sich in einem der Drähte mit dem Bein verfangen und es ein kurzes Stück mitgeschleift hat). Was genau bei Cody passiert ist, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall hat er sich an beiden Hinterbeinen verletzt. Aber zum Glück nur Oberflächlich und er scheint keine schwerwiegenden Verletzungen geholt zu haben. Zum Glück! Aber ich muss schon sagen, da dachte ich mir echt, warum Jim mit uns über Zäune geht, wo er uns davor noch erzählt hat, dass sich Cody vor zehn Jahren mal in einem Maschendrahtzaun verfangen hat und es anscheinend so schlimm war, dass sie mit dem Gedanken gespielt haben, ihm den Gnadenschuss zu geben. Gott sei Dank haben sie es nicht getan! Die ganzen Narben von vor zehn Jahren sind allerdings immer noch gut sichtbar an seinen Beinen und Rücken zu sehen. Der Arme.

Wie auch immer, nach diesem Abenteuer ging es weiter. Wir mussten ein ganzes Stück auf der Straße weiter reiten. Wir sind mehrmals getrabt und mussten immer aufpassen, dass kein Auto um die Kurve angefahren kommt. Letztendlich haben wir alle es dann doch noch heil ans Ziel geschafft. Wir kamen an einen kleinen Paddock an, wo zwei Großpferde und ein ein vierjähriges Pferd (getrennt von den anderen) standen. Das Jungpferd namens Prim gehörte Tala und dieses mussten wir (Tala und Jim) einfangen, um es wieder zurück auf ihre Koppel zu bringen (sie stand dort längere Zeit, da sie verletzt war). Nachdem Prim dann eingefangen war ging es wieder zurück. Da Jim zu Fuß vorweg gegangen ist, musste Valerie Jims Pferd Sam am Zügel mitführen. Allerdings hat Ollie immer wieder nach Sam ausgetreten, sodass ich dann Sam genommen habe. Über einem kleinen Graben (es war noch nicht mal ein richtiger Graben) hat Ollie dann gleich einen Sprung drüber gemacht. Cody dann natürlich auch. Sam allerdings wollte nicht und so rissen mir die Zügel aus der Hand und ich musste schnell wieder Sam einfangen.

Nachdem wir dann endlich wieder auf der Straße waren, legte sich dann auch die Aufregung wieder etwas. Wir gingen diesmal komplett die Straße entlang und zum Glück nicht wieder über irgendwelche Zäune. Allerdings durften wir nur Schritt gehen wegen dem Jungpferd.

Abends dann, nach etwas weniger als 3 Stunden, kamen wir dann endlich wieder am Stall an. Das war glaube ich bisher der abenteuerlichste und gefährlichste Ausritt meines Lebens – er war aber trotzdem sehr schön. 🙂

So sahen Codys Beine nach dem Ausritt aus

Abschied

Heute hieß es Abschied nehmen von allem. Valerie und ich durften heute auch wieder einen Ride führen – wahrscheinlich weil Jim mal wieder vergessen hat, dass die heute kommen wollten und dann kein Guide da war. Der Ausritt war aber trotzdem schön und die Kunden sehr nett (Vater und Tochter). ich durfte Stockie reiten – mein Lieblingspferd.

Wie waren die vier Wochen auf der Farm?

Rückblickend gingen die vier Wochen sehr schnell um. Aber vier Wochen reichen vollkommen aus. Länger wäre, glaube ich, langweilig geworden. Am Anfang habe ich alles mit großen Augen aufgesogen und war fasziniert von der Landschaft. Doch je öfters man die Strecken entlanggeht / – reitet, desto unspektakulärer wird es. Besonders, wenn man an einem Tag zweimal fast die identische Strecke läuft/ reitet. Am Anfang war alles noch neu. Jeder Baum, jeder Weg. Doch jetzt nach vier Wochen kennt man schon vieles und die Standardwege werden nunmal am häufigsten genommen. Deswegen ist es immer wieder schön, irgendwo lang zu reiten, wo man noch nicht war, wie am Dienstag.

Im allgemeinen war die Farm sehr schön und für jeden Pferdefreund etwas. Aber auch für Nicht-Pferdebegeisterte ist dies etwas. Die Landschaft hier ist wunderschön. Man kann diese Weitläufigkeit gar nicht richtig beschreiben. Man muss es einfach erleben. Das ist nicht vergleichbar mit Deutschland. Die Weiden sind hier riesig. In Deutschland wird man kaum Weiden finden, wo man locker mal zwanzig Minuten allein braucht, um das Pferd zu finden. Und diese Weide ist anscheinend voll!! Die Pferde haben es hier richtig gut und wirken sehr zufrieden.

Was hier doof war, war die ungeregelte Arbeitszeit und die doch sehr anstrengende Arbeit, wenn mal keine Rides anstehen, was in den letzten Wochen nur zu oft vorkam. Man wusste nie genau, wann man Feierabend hatte und wann man noch etwas machen musste. Viele der Aufgaben, die wir bekommen haben, waren recht anstrengend und aufgrund der Hitze wurde die Arbeit noch mehr erschwert. Dafür waren die Ausritte immer sehr schön und es hat Spaß gemacht, unterschiedliche Pferde zu reiten – auch wenn manche Rides echt stressig waren.

Unsere Farmer, vor allem Jim, waren sehr nett und offen zu uns. Es gab nie irgendwelche Probleme oder Stress mit ihnen. Etwas schade fand ich allerdings, dass wir so wenig in deren Leben mit einbezogen wurden. So fände ich es schöner, wenn wir ab und zu auch mal mit den Farmern zusammen essen würden, sodass man sich besser kennenlernt.

Was ich auch nicht so prickelnd fand, war, dass wir immer zu ihnen ins Haus gehen mussten, um zu duschen. Es gab zwar diesbezüglich nie irgendwelche Probleme, auch was die Uhrzeit des Duschens angeht, aber trotzdem war es immer etwas unbehaglich, einfach in deren Haus zu gehen und deren Dusche zu benutzen.

Grundsätzlich aber würde ich es jedem weiter empfehlen. Es ist eine unglaubliche Erfahrung, die man nicht vergessen wird. Ich fand es erstaunlich, wie viele frei lebende Kängurus man hier gesehen hat. Teilweise leben die sogar auf der Weide! Die sind so gewöhnt an die Pferde, dass man manchmal auch recht nah an ihnen vorbei reitet. Aber bis man die Kamera oder das Handy draußen hat, sind sie schon wieder weg. 😀

Uns sind auch schon öfters Kängurus vor das Auto gesprungen.

Tiere, die wir hier gesehen haben

Spinnen gibt es hier viele, gerade heute Abend (Donnerstag, 30.11.2017) hing eine Spinne direkt im Türrahmen der Toilette. Schlangen haben wir auch schon gesehen. Aber nur zwei kleine. Ansonsten gibt es hier noch viele eklige große Ameisen und noch mehr nervige und aufdringliche Fliegen, die sich nicht so leicht vertreiben lassen wie die in Deutschland.

Dann haben wir natürlich noch jede Menge wilde Kängurus und Wallabies gesehen. Und natürlich Wombats, Vögel, Echidnas, Pferde, Kühe, Esel, ein Schwein, Gänse, Hühner, Enten, Schafe und ganz viele kleine Kriechtiere und Käfer. 😀

Die Mädels/Guides

Die Guides hier sind alle in unserem Alter (meistens 17/18 Jahre alt). Die meisten haben eigene Pferde, die sie günstig irgendwo kaufen und selber einreiten. Es gibt welche, die noch nie mit uns geredet haben, welche, die nur mit uns reden, wenn sie irgendetwas von uns wollen und wiederum andere, die sich auch mal mit uns unterhalten und uns zu Ausritten mitnehmen. Zum Glück sind die, die nett zu uns sind auch am häufigsten am Stall. Übrigens haben wir seit letzter Woche Mittwoch ihr Geschirr nicht mehr mit gespült, sondern nur noch unser eigenes. Und jetzt ratet mal, das Geschirr wurde bis heute nicht gespült und steht immer noch in der Spüle! Nur ein paar haben ihre Sachen gespült.

Jetzt (Freitag, 1.12.2017) sitze ich im Zug und fahre wieder nach Sydney. Dort muss ich noch mal zur Bank und endlich mein Handy reparieren – ich hoffe, das klappt dann heute auch. Morgen geht es dann um sieben Uhr morgens mit dem Zug weiter zur nächsten Farm. Bin schon sehr gespannt wie es da wird und wie das Miteinander dort ist. Ich freue mich schon darauf.

Eines werde ich auf jeden Fall von der jetzigen Farm mitnehmen. Und das sind lauter blaue Flecke an Händen, Armen und Beinen und viele Kratzer und Schnitte. Farmwork ist halt anstrengend! Die Sättel hier sind teilweise so unbequem, sodass vor allem das Traben ungemütlich wird. Vorne am Sattel haben die hier so „Höcker“ auf jeder Seite und bei manchen kann man gar nicht richtig aufstehen, ohne sich die Beine daran zu stoßen.

Zum Schluss gibt es noch ein paar Bilder von den letzten vier Wochen. Und ihr hört von mir hoffentlich nächste Woche – vorausgesetzt, ich habe auf der neuen Farm Internet.

Bis bald!

Das ist einer der zwei Esel, die hier mit den Pferden zusammen leben

Die kleinen Shettlandponys

Judiths Frettchen

Die Hunde von den Farmern sind soo süß

Der Husky Grace gehört dem zweitältesten Sohn unserer Farmer und war übers Wochenende zu Besuch. Jim hat uns erzählt, dass er sehr gerne Kängurus jagt und tötet. Wie deren anderer Hund.

Das ist Holly einer der zwei Wombats, die hier leben. Alice ist die größere von beiden

Leider sind alle meine schönen Bilder durch die Reparatur meines Handys verloren gegangen. Immerhin habe ich jetzt einen heilen Bildschirm. Ich muss es positiv sehen, es war nur ein Monat und zum Glück nicht alle Bilder von der gesamten Reise. Aber etwas ärgerlich war das schon. Allerdings kann man da jetzt auch nichts mehr dran ändern und Trübsal blasen bringt da auch nicht viel. Also freue ich mich auf die nächste Farm und werde dort hoffentlich viele schöne Bilder machen können.

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