Die Fahrt und die Ankunft
Am 2.12.2017 ging es auf die nächste Farm. Diese liegt ebenfalls in New South Wales, allerdings weiter nördlich in der Nähe von Tenterfield direkt am Rocky River.Von Sydney aus sind wir (Lukas und ich) dann mit dem Zug um 7:10 Uhr morgens ca. 11,5 Stunden gefahren.
Im Vergleich zu den Zügen in Deutschland fahren hier die Züge richtig langsam – manchmal war sogar ein Auto schneller als der Zug!
Wie auch immer, gegen zwanzig vor sieben trafen wir in Casino ein, einem kleinen Ort. Eigentlich sollten wir nur bei dem Motel anrufen, dass wir angekommen sind und dann hätte uns jemand abgeholt. Aber anscheinend hatte unser Farmer vergessen, und ein Zimmer zu buchen. Die Frau an der Rezeption kannte aber den Farmer, da die meisten WWOOFer, die auf die Farm gehen, erst eine Nacht in dem Motel schlafen. Ich muss sagen, das war bisher die beste Unterkunft hier in Australien. 😀

Die Frau hat dann unseren Farmer kontaktiert und es stellte sich heraus, dass er mit seiner Frau bei Verwandten sind/waren, da Zoe’s (so heißt die Frau vom Farmer – der Farmer heißt Ed) Vater Krebs hat. Er hat einen Gehirntumor und es scheint nicht gut auszusehen. Da sie am Sonntag zum Glück sowieso wieder nach Hause fuhren, haben sie uns dann gegen 10 Uhr abgeholt. Gegen 13 Uhr kamen wir dann, nach zwei, drei kleinen Zwischenstopps, auf der Farm an und haben auch so gleich die drei anderen WWOOFer getroffen (Lena, Julia und Aylin), mit denen wir zusammen in einem Caravan oder so was ähnliches untergebracht sind. Lena und Julia kamen beide aus Deutschland und sind ebenfalls mit meiner Organisation gereist. Aylin kommt aus der Schweiz.
Wir werden immer 5 Stunden arbeiten und gegen ein Uhr haben wir dann Freizeit.
Am Sonntag haben wir fast den gesamten restlichen Tag am Rocky River verbracht.


Die Umgebung hier ist sehr schön, aber auch sehr verlassen. In der Nähe gibt es nichts – das nächste Dorf in ungefähr eine Stunde von hier entfernt.

Heute (Sonntag) war für die Farmer allerdings kein guter Tag. Sie mussten leider feststellen, dass der Knoblauch, den sie angebaut haben und schon geerntet haben noch feucht war und angefangen hat zu schimmeln – also nicht mehr zu gebrauchen ist. Ich hoffe, dass es letztendlich dann doch nicht all zu schlimm aussieht, da der Knoblauch deren Haupteinkommen ist. Das ist Ihnen in den ganzen Jahren noch nie passiert.
Tiere
Momentan ist hier sehr wenig zu tun, da die Kühe/Rinder und die Pferde nur auf den Wiesen stehen und kein Futter außer das Gras bekommen. Da wir mit dem Knoblauch auch nicht wie gedacht anfangen können, ist für uns so gut wie nichts zu tun. Morgens und abends müssen wir die Hunde, die Welpen und den einzigen Hengst (der hier „arbeitet“) füttern.

Ein paar Pferde von den einjährigen
Die haben hier ca. zwischen 15 und 20 Hunde, 8 Welpen und 60 – 70 Pferde, wobei davon nur 9 Pferde geritten werden und die anderen nur auf der Weide stehen. Abgesehen von ein paar Wallachen haben sie nur Stuten, da sie sie züchten. Momentan haben sie ca. 18 Fohlen (alle ungefähr ein Jahr alt).
Die Hunde sind, meine ich, Border Collies, allerdings sind da auch noch andere Rassen dabei – Mischlinge sind es.


Wie und wo wohne ich?
Wohnen tun wir WWOOFer im WWOOF-Camp – einen Caravan, in dem 8 bis 9 Leute untergebracht werden können. Das Camp ist etwas weiter weg (1-2 Minuten mit dem Auto, aber es geht runter/ beziehungsweise hoch) und dort haben wir nur ein Plumsklo.

Das ist das WWOOF-Camp
In dem Haus von den Farmern, welches eher wie eine aus Wellblech und Holz zusammengenagelte Hütte aussieht, gibt es allerdings ein richtiges kleines Bad, welches wir immer benutzen dürfen.

Das ist das Haus von den Farmern
Essen tun wir immer mit den Farmern zusammen, wobei sie manchmal drinnen im Haus essen und wir fünf WWOOFer draußen. Draußen unter einem Zelt sind Tische und Stühle aufgestellt, da wir eigentlich immer da essen, da es im Haus keinen Esstisch gibt.
Zoe, die Farmerin kocht immer abends für uns und wenn sie morgens und mittags da ist, macht sie uns auch Frühstück und Mittagessen.
Zum Frühstück gibt es immer Obst mit etwas Joghurt und Müsli. Mittags essen wir meistens ein Sandwich oder es gibt Wraps. Abends wird dann immer richtig gekocht. Es gibt zum Beispiel Hähnchen mit Salat, Suppe oder Fleisch mit Verschiedenem Gemüse.
Das Essen hier ist sehr lecker und ich finde es gut, dass wir gemeinsam essen und wir uns nicht selber um das Kochen kümmern müssen. 😀
Arbeit und Freizeit
Wir WWOOFer machen immer den Abwasch und wenn es Wäsche gibt, waschen wir sie auch. Wenn sie keine weiteren Aufgaben für uns haben, wie Rasen Mähen, Unkraut jäten, Tiere füttern … , dann sitzen wir die meiste Zeit am Vormittag am Haus herum, da wir nur dort WLAN haben. Ansonsten hat man hier absolut keinen Empfang. Es gibt allerdings ein Haustelefon, welches wir ebenfalls jederzeit gerne benutzen dürfen.
Wenn das Wetter gut ist, gehen wir alle gegen Mittag zum Fluss und Baden oder Sonnen uns auf den Steinen am Fluss. Der Fluss ist richtig schön und nicht so überlaufen wie die Strände. Ab und zu sieht man hier Camper, die die schöne Landschaft und die Ruhe genießen wollen. Außer den Grillen, Vögeln und weitere Tiere (unter anderem auch Hundegebell) hört man hier nichts. Keine lästigen Autos oder Lastwagen. Das ist das schöne hier – man ist ungestört und kann die Ruhe und die Weite genießen. Allerdings ist es schon sehr abgeschieden und da wir nur oben am Haus keinen Empfang haben, ist es schon ein wenig doof. Vor allem abends, wenn wir alle im Bett liegen. Die anderen haben alle ihren Laptop dabei und schauen Filme oder Serien. Ich komme hier so wenigstens viel zum lesen.

Da deren Grundstück so weitläufig ist – ich glaube, die haben ca. 2500 Hektar Land! – haben wir WWOOFer ein Auto, mit dem wir immer von einem Ort zum anderen fahren. Allerdings passen wir alle fünf nicht in den Zweisitzer und so müssen immer drei von uns hinten auf der Ladefläche sitzend oder stehend mitfahren.

Rindertreiben
Am Donnerstag wurden morgens alle Rinder mit Pferd (manchmal auch mit Hunden) eingetrieben. Es waren nicht alle, nur die, wo die Kälber dabei waren, da alle Kälber, die noch kein Eartag bekommen haben, heute eines bekommen und zugleich eine Impfung.

Wir durften leider nicht mitreiten und so warteten wir, bis sie alle da waren und halfen dann mit. Es mussten die Rinder/Kühe von den Kälbern getrennt werden.

Ab und zu hatte ich schon etwas Angst, dass ich von einer überrannt werde. 😀 Aber zum Glück ist alles gut gelaufen. Es war sehr interessant zu sehen, wie so etwas abläuft. Die Kälber riefen nach ihren Müttern, die Mütter nach ihren Kälbern. Dementsprechend war es recht laut. Ein großer Bulle musste von allen anderen getrennt werden, da er glaube ich auch eigentlich nicht bei denen stehen soll, und auf eine andere Wiese gebracht werden.

Sobald alle Rinder eingetrieben waren und die Kälber getrennt worden sind, ging es für Lukas und mich gleich schon auf den Weg nach Hause. So konnten wir leider nicht mitansehen, wie das ganze Prozedere vonstatten ging.
Aktuelle Lage
Da momentan alles bei den Farmern nicht so gut läuft (der kranke Vater, der Knoblauch) und wir WWOOFer nichts zu tun haben, meinten die Farmer, dass es gut wäre, wenn wir uns etwas anderes suchen würden. Falls wir aber nichts finden, sind wir gerne willkommen so lange zu bleiben wie wir wollen.
Lukas und ich hatten dann überlegt, schon früher auf die Maisfarm in Quirindi, wo wir dann für Geld arbeiten würden, zu gehen. Also kontaktierten wir den Farmer, was gar nicht so einfach war. Aber letztendlich haben wir dann doch noch alles geregelt und sind dann am Donnerstag mit den Farmern, die sind übers Wochenende wieder zu der Familie gefahren, bis nach Casino gefahren und von dort aus um 19:30 Uhr mit dem Zug wieder nach Sydney gefahren.
Trotz der kurzen Zeit auf der Farm war es echt schön und man hat einen tollen Einblick in das australische Farmerleben bekommen.
In Sydney haben wir dann zwei Nächte übernachtet und einem 4er Zimmer, in dem schon ein Freund von Lukas war. Am Freitag waren wir am Bondi Beach und am Samstag habe ich mich mit Nicole, sie war in meiner Stufe, getroffen. Da waren wir auf der Harbour Bridge und – nachdem wir noch schnell in die Stadt gegangen sind, um für Quirindi ein Zelt und ein Schlafsack zu kaufen, sind wir nach Manly gefahren.

Bondi Beach – war etwas kalt aber trotzdem schön

Ausblick von der Sydney Harbour Bridge

Manly Beach am Abend
Heute am Sonntag, den 10.12.2017, fahren wir um halb zehn mit dem Zug nach Quirindi und am Montag geht es dann los.
Dort werde ich wahrscheinlich keinen Empfang haben also werde ich mich nur selten melden können.
Euch allen einen schönen 2. Advent!


Es weihnachtet sehr hier in Sydney!
Bis bald.

Hi Vivi,
klingt schön was du aus Australien berichtest ( bis auf das Plumsklo uhhhh).
Du bist wieder weiter gezogen …. Viel Spaß wünsche ich dir bei allem was du tust,
Es ist komisch dich in der Vorweihnachtszeit so weit weg, am anderen Ende der Welt, zu wissen. Ich wünsche dir einen schönen 3. Advent und sende ganz liebe Grüße! ??
Sabine