1. Job in Australien

Corn detesseling

Am Montag, den 11.12.2017 begann für mich der erste Arbeitstag in Australien. Angekommen sind Lukas und ich am Sonntag nach einer fünf stündigen Zugfahrt in Quirindi, in New South Wales. Dort ist unsere Arbeitsstelle – also etwas außerhalb liegt das Maisfeld. Wir übernachten auf einem Caravan-/Camper – Park ca. 20 Minuten vom Feld entfernt. Dort wohnen fast alle, die dort arbeiten. Überwiegend sind es Deutsche und Franzosen. Die meisten arbeiten dort, um ihr Second Year Visa zu bekommen. Dafür muss man nämlich mindestens 66 Tage auf einer Farm gearbeitet haben oder so ähnlich.

Ursprünglich wollten Lukas und ich in einen der Kabinen (kleine Caravans für zwei oder fünf Leute) ziehen, allerdings waren keine mehr frei und so mussten wir noch schnell einen Tag vorher am Samstag in Sydney ein Zelt, Schlafsack und Isomatten kaufen. Vollgepackt ging es dann nach Quirindi.

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, suchten wir uns für die nächsten Tage/ Wochen eine Mitfahrgelegenheit – wir haben ja leider noch kein Auto. Nach einigem Gefrage und Vorstellen – die Leute hier sind alle sehr nett – haben wir dann zwei, eine Schwedin und ein Franzose, gefunden, die uns mitnehmen können, sonst hätten wir mit dem Bus fahren müssen und der würde 10$ pro Tag kosten!

Allerdings wurde uns jetzt vor ein paar Tagen gesagt, dass der Bus kostenlos ist! Wahrscheinlich weil da jetzt die letzten Wochen nur drei oder fünf Personen damit gefahren sind und der Rest mit ihren Autos. Jetzt ist der Bus immer schön voll. Wenigstens kann man während der Fahrt immer etwas schlafen.

Die Arbeit fängt hier um 5:30 Uhr morgens an, da es da noch einigermaßen kühl ist und das arbeiten so einfacher für uns ist. Um 4:30 Uhr stehen wir immer auf und um 5 Uhr geht es dann mit den Autos los zum Feld. In den letzten Tagen haben wir aber immer etwas früher angefangen und so sind wir schon um 4 Uhr morgens aufgestanden.

Unsere Arbeit besteht hauptsächlich darin, von den ganzen weiblichen Maispflanzen (6 Reihen sind nur weibliche Pflanzen und dann kommen immer 3 Reihen mit den männlichen) die Tassle (das ist das obere Ende der Maispflanze, die Blüte) herauszuziehen. Das klingt jetzt einfacher als es tatsächlich ist. Die Reihen stehen teilweise so eng nebeneinander, dass man das Gefühl hat, von den Pflanzen verschluckt zu werden. Besonders, wenn die Pflanzen so hoch sind, dass du nur mit viel Mühe an das obere Ende gelangst. Während du deine Reihe entlanggehst, schlagen dir immer wieder die großen Blätter ins Gesicht und auf den Hals. Man hat das Gefühl, als wollten sie dir Mund und Nase zuhalten und dich so langsam ersticken lassen. Die Hitze ist da auch nicht gerade sehr hilfreich. Oft haben wir schon ab 10 Uhr an die dreißig Grad und im Feld ist es noch mal ein ganzes Stück heißer und stickiger. Auch doof ist, dass man das Ende nicht sehen kann. Die längsten Reihen sind ca. 1000 Meter lang und irgendwann stehst du da in deiner Reihe und weißt weder aus noch ein. Du kannst kein Anfang und kein Ende mehr sehen und weißt auch nicht, wie lange du noch laufen musst und wie viel du schon tatsächlich zurückgelegt hast.

Da hatte ich schon ein paar Tage wo ich richtig Panik bekommen habe und einfach nur noch raus wollte. Mit dem Wasser muss man auch immer sparsam umgehen. Am Anfang habe ich für die lange Reihe ca. 3 oder 3,5 Stunden gebraucht! Für nur eine Reihe! Drei Stunden siehst du nur Blätter, Grün und Tassle. Weit und breit siehst du niemanden und hörst nichts außer das Rascheln deiner Pflanzen. Man hat das Gefühl, dass du ganz alleine im Feld bist, obwohl ein paar Meter weiter andere ihren Weg gehen.

In der Nacht dann, sobald man die Augen schließt, sieht man nur noch Maispflanzen und die Tassle vor sich. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh man ist, wenn man aus seiner Reihe raus ist und endlich das Ende sieht.

Das Glück hält allerdings nur kurz, da es danach wieder denselben Weg zurück geht und man alles noch einmal checken muss. Hat man nämlich zu viele Tassle übersehen, dann wird man noch mal in die Reihe geschickt und das ist richtig ätzend. Mir ist das an meinem dritten und vierten Tag passiert und ich kann euch sagen, da arbeite ich lieber ganz langsam, als eine Reihe nich einmal zu machen! Wobei ich manchmal nicht verstehe, warum manche nicht noch mal reingeschickt werden, obwohl bei Ihnen richtig viel übersehen wurde. Die haben echt Glück gehabt, da immer nur ein kleiner Ausschnitt der Reihe kontrolliert wird. Manchmal – vor allem als Mädchen – hat man Glück und es kommt einer der Arbeiter und hilft dir bei deiner Reihe. Dann darfst du ihm einfach hinterher gehen und er macht ein kurzes Stück für dich. Oder einer kommt dir entgegen, weil du einfach zu lange brauchst. 😀 Hier gibt es ein paar, die richtig schnell diese Art von Arbeit machen können. Ich verstehe einfach nicht, wie sie so schnell durch ihre Reihe gehen können und dann auch noch jede Tassle erwischen können. Das ist mir ein Rätsel.

Aber ich muss schon sagen, in den letzten Tagen bin ich immer schneller geworden. Da mussten wir allerdings auch nur vieles noch einmal kontrollieren und das, was übersehen wurde herausreißen, wobei manche Reihen auch da richtig kacke waren und gefühlt alles vergessen wurde.

Letzten Samstag, 23.12., habe ich sogar ganze 11 Reihen geschafft! Die waren aber nicht alle gleich lang, da das Feld leicht kreisförmig ist und so die Reihen nach außen hin immer kürzer werden.

Nach den ersten Tagen war auch die Maschine, die eigentlich die Tassle herauszieht, wieder so weit einsatzbereit, allerdings war die selten recht gründlich und so mussten wir doch noch einiges machen.

Immerhin konnte man bei der Arbeit über alles mögliche Nachdenken. Zeit genug hätte man auf jeden Fall. Besonders wenn man seinen iPod oder sein Handy vergessen hat und man dann währenddessen keine Musik hören konnte (man durfte mit einem Kopfhörer Musik hören).

Das frühe aufstehen ist immer etwas mühsam. Besonders, da es um diese Uhrzeit dann endlich im Zelt angenehm warm ist, sodass man gut hätte schlafen können. Meistens war es bis spät kn die Nacht noch richtig warm, sodass man nur schwer einschlafen konnte. Morgens war es dann allerdings immer etwas feucht auf dem Feld (insbesondere in den letzten Tagen, da es da abends mehrere Gewitter gab), sodass man nach ein paar Metern auf schon fast in der feuchten Erde versunken ist und man an seinen Füßen große Erdbrocken und Blätter mitgeschleppt hat, was den Gang zum Ende erschwert hat. Vor allem morgens ist man vielen Spinnen, die ihr Spinnennetz über den Weg gespannt haben, begegnet.

Die Leute hier sind alle zum größten Teil ganz nett und man kann sich gut mit Ihnen unterhalten, auch, wenn das Englisch der Mehrheit der Franzosen, obwohl sie schon fast ein Jahr hier in Australien leben, nicht sonderlich gut ist. Generell hat man das Gefühl, dass die Franzosen hier nicht so fleißig arbeiten. Manche laufen einfach durch ihre Reihen ohne auch nur eine Tassle rauszuziehen. Andere rauchen die ganze Zeit Gras – selbst während der Arbeit und wiederum andere, die aber danach auch gefeuert wurden, haben andere Leute im Feld erschreckt, indem sie immer wieder auf dem Boden herumgekrochen sind und anderen an die Fußfesseln gepackt haben. Es hätte ja auch eine Schlange sein können, denn diese gibt es dort auf jeden Fall, auch, wenn ich bis jetzt zum Glück noch keiner begegnet bin.

Insgesamt hatten wir bis jetzt vier Felder, auf denen wir gearbeitet haben. Anfang Januar wird es wahrscheinlich weiter nach Dubbo gehen, etwas weiter rein in das Landesinnere, da dort die nächsten Maisfelder sind. Allerdings kann es sein, dass wir da weniger Stundenlohn erhalten. Deswegen sind wir momentan noch unsicher, ob wir mit nach Dubbo gehen, oder ob wir uns was anderes suchen oder ob wir jetzt schon reisen. Wir werden mal die nächsten Tage abwarten. Denn eigentlich hat keiner von uns dreien (Lukas, Marcel und ich) große Lust, diesen Job weiter zu machen. 😀

Die Arbeit hier kann man am besten so beschreiben: „Heiß und anstrengend“ [Lukas, 25.12.2017, 16:54 Uhr]

Ich würde noch monoton und einengend hinzufügen aber ich glaube, für jeden, dem wir erklären, was unsere Aufgabe ist, ist es schwer, nachzuvollziehen wie hart dieser Job in Wirklichkeit ist. Aber da lernt man erst mal richtig das Geld und eine „richtige“, gut bezahlte und entspannte Arbeit zu schätzen. Mein Leben lang könnte ich so etwas nicht machen. Mir reichen eigentlich auch schon die zwei Wochen, die ich jetzt hier bin. Mein Schlafrhythmus ist auch total am Eimer. Wenn wir dann mal einen Tag, oder über Weihnachten die drei Feiertage, freibekommen, wache ich trotzdem gegen vier Uhr morgens auf und werde recht schnell wieder müde am Abend.

Wie gesagt, ich freue mich schon, endlich richtig reisen zu können und endlich hier von dem Campingplatz weg zu sein. Denn, ehrlich gesagt, gehen mir ein paar Leute jetzt schon auf die Nerven.

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